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Ein Blick in die Entwicklung der Küche

Die Geschichte der moderne Küche ist die Entwicklung des heimischen Arbeitsplatz. Ein Arbeitsplatz muss sicher, ergonomisch und für seine Arbeitsabläufe optimiert sein. Der stärkste Einfluss auf die Gestaltung einer modernen Küche hatte 1926 die Frankfurter Küche mit dem Projekt Neues Frankfurt (Initiant: Ernst May, Architektin Margarete Schütte-Lihotzky). Obwohl kritisch zu betrachten, hatte dabei der Einfluss des aus den USA stammenden Taylorismus grossen Einfluss auf die Anordnung verschiedener Küchenstationen, Möbel und Geräten.

Frankfurter Küche im Werkbundarchiv - Museum der Dinge
Frankfurter Küche im Werkbundarchiv – Museum der Dinge

Die Anordnung der Arbeitsflächen, Distanzen zwischen den verschiedenen Arbeitsbereichen, Oberflächenbeschaffenheiten, Stauräume und sogar Gewürz- und Nahrungsaufbewahrungsbehälter wurden für die optimierte Arbeitsweise in der Küche definiert. Sitzendes Arbeiten in der Küche war ebenfalls schon eine wichtige Eigenschaft, welche eine Küche haben sollte.

Obwohl die Frankfurter Küche aus heutiger Sicht wenig attraktiv erscheint, wirkt sie noch heute stark prägend auf die Küchenplanung. Die Produktion von vereinfachten und standardisierten Küchenelementen liess auch nicht lange auf sich warten. Ca. 10 Jahre später fanden erste elektrische Küchengeräte Einzug in die Küchen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Fläche der Küche deutlich grösser und öffnete sich zu angrenzenden Räumen. Die Anbauküche wurde geboren. Damit war der Weg für die Küchenkombination geboren, welche nicht aus mehreren, selbstständigen Elementen bestand, sondern als Kombination geliefert und verbaut wurde.

Mitte 1950er Jahre hatten in der Schweiz und in Deutschland die Hälfte der Haushalte noch keinen Elektroherd.

1950er Küchenwerbung – Urheber unbekannt.

Die AMK (Arbeitsgemeinschaft moderne Küche) verfolgte ab mitte 1950er Jahre das Ziel der Vereinheitlichung und Harmonie in Abmessungen, Formen und Funktionen in der Küche. Ein paar Jahre später war die Einbauküche geboren.

Bemerkenswerte Geschichte der Küche

In den 70er Jahren machte Luigi Colani mit dem Experiment 70 von sich zu reden. Experiment 70 waren eine kugelförmige Einheiten, welche unterschiedliche Funktionen wie Küche, Bad und Arbeitsbereich beinhalteten und an einem Zentralen Raum angedockt werden. Die Abbildungen (Küchenplaner-Magazin) zeigen die Kücheneinheit.

Space Kitchen
Exzentrisches Küchendesign
Geschichte der Küche - Colani
Modularer Hausbau – Küchenmodul

Die Wohnküche

In den 80er Jahren hielten Themen wie optimale Arbeitshöhe und die Wohnküche Einzug. Eigentlich war die Wohnküche in Bauernhäusern schon lange vorher ganz normal. Die neue Wohnküche wird aber zum sozialen und repräsentativen Raum weiterentwickelt. Die Küche als zentraler Raum des gesellschaftlichen Lebens in einem Haushalt wird entdeckt. Man kann auch sagen: neu entdeckt. Denn die Küche ist historisch gesehen der älteste Raum in einem Wohnhaus.

Bemerkenswert ist, dass die industrielle Möbelfertigung weitgehend tapfer weigert, sich an den Nutzer anpassbare Küchen serienmässig zu produzieren. Wenn man die oben stehenden Bilder genau anschaut, sieht man, dass offenbar sitzend arbeiten schon zu der Zeit der Frankfurter Küche ein Thema war. Aktuelle Trends in Küchen beschränken sich auf neue Möbelformen, Materialien oder interessante Stauraumlösungen. Wirklich revolutionäres findet man wenig.

Die Frankfurter Küche entstand, weil eine Frau die Küche plante und weil ein heute traditionelles Frauenbild normal war. Singelhaushalte, hohe Scheidungsraten, Alterswohnungen, Überbevölkerung, Altersversicherung und Überalterung der Gesellschaft etc. gab es damals wahrscheinlich nicht mal als Begriffe. Begriffe die heute aber sehr gewichtige Themen und Herausforderungen darstellen. Und Entwicklungstreiber sind, welche den Wohnraum von heute und der Zukunft stark beeinflussen. Die Hauptrichtungen in der Küchenentwicklung werden Multifunktion und Ergonomie sein. Multifunktion daher, weil mehr Funktion und Nutzen im zentralsten Raum  geschaffen werden muss. Ergonomie daher, weil eine möglichst hohe Nutzbarkeit in allen Lebensphasen gewährleistet wird. Beide Entwicklungsrichtungen sparen dem Nutzer Geld und erzeugen gleichzeitig Alleinstellungsmerkmale für Hersteller und Immobilienanbieter.